Das grosse Jammern
Von Michael Lorenz (ML)Börsenpsychologie
Wer langfristig bei der Geldanlage und besonders an der Börse Erfolg haben möchte, muss die Mechanismen des Marktes verstehen. Getrieben wird der Mensch durch die Faktoren Angst und Freude. Bei der Geldanlage sind dies Verlustängste und zum anderen der Wunsch, Gewinne einzufahren. Die Angst ist auch der entscheidende Faktor, der zur jetzigen Börsenkrise geführt hat. Das Problem: Viele Anleger gestehen sich nicht ein, mit Wertpapieren Verluste zu machen. Das führt dazu, dass Papiere zu lange gehalten werden, in der Hoffnung, dass sich der Kurs wieder berappelt. Rutscht er aber stattdessen weiter ab, kommt es irgendwann zu massiven Verkäufen und dann zur Verkaufspanik, da man seine letzten Kröten aus dem Geschäft noch retten will. Das ist fatal. Sind die Kurse am Boden, so tun viele Anleger erst mal nichts, da sie ja schlechte Geschäfte mit der Geldanlage getätigt haben. Erst wenn das Vertrauen in den Markt zurückkehrt, investieren wieder viele Anleger in Wertpapiere. Meist viel zu spät, um noch wirklich Geld zu machen. Und dann beginnt der Kreislauf von Neuem.
Die richtige Strategie für die Geldanlage
Um gute Investments an der Börse zu finden, ist es wichtig, eine Methode zur Hand zu haben, nach der sich qualitativ gute Aktien ermitteln lassen. Eine Methode ist die Value-Strategie. Value steht dabei für werthaltig und stabil. Der Begriff wird auf Unternehmen angewendet, die gut dastehen und eine positive Zukunftsprognose besitzen, was sich aber in den aktuellen Aktienkursen nicht widerspiegelt. Die wichtigsten Kriterien der Bewertung sind:
- niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV): Das KGV ermittelt sich aus dem aktuellen Börsenkurs, dividiert durch den erwarteten Gewinn pro Aktie. Ein KGV unter dem Wert zwölf gibt Hinweise darauf, dass es sich hierbei um einen Value-Wert handelt.
- niedriges Kurs-Buchwert-Verhältnis: Der Marktwert errechnet sich aus dem Produkt oder der Dienstleistung, dem Aktienkurs und der Anzahl der emittierten Aktien. Der Buchwert steht in der Bilanz des Unternehmens. Aber Achtung: Bei Aktienrückkäufen durch das Unternehmen sinkt das KBV!
- niedriger Verschuldungsgrad
- hohe Dividendenrendite
- hoher Cash-Flow
- hohe Stille Reserven
Weitere Faktoren der Strategie sollen die Zukunft widerspiegeln:
- Produkte oder Dienstleistungen, die gute bis sehr gute Verkaufserfolge versprechen
- Unternehmen, die zu den Marktführern aufschließen oder Marktführerschaft anstreben
- Unternehmen, das von seiner Größe her Prognosen auch erreichen kann und eine überzeugende Unternehmensstrategie verfolgt
- krisensichere Produkte oder Dienstleistungen
- hohe Transparenz
Wer diesen Investitionsansatz verfolgt, wird Unternehmen, meist aus der zweiten Reihe aufspüren, deren Kurse den Geschäftserfolg bislang noch nicht abbilden. Dennoch ist die Analyse mittels Value-Strategie nicht einfach, da eine Vielzahl von Faktoren, die gerade auch die Entwicklung betreffen, berücksichtigt werden müssen.
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